Vorsicht, Kautionsabzocke! Charter - das geliehene Boot

»Vorsicht ist besser als Einsicht!« ... unter dieses Motto stellen wir den Abschnitt, in dem es um rüde und pfiffige Tricks der Vercharterer geht, wenn sie versuchen, an dein Geld zu kommen.

Und um diese Tricks auszuhebeln, braucht es nicht wirklich viel: Es reicht, misstrauisch zu sein. Auch, wenn es gleich in deinen wohlverdienten und lange erwarteten Urlaub geht...

Worum geht's?

Bei jeder Charter musst du vor Antritt deiner Reise eine Kaution hinterlegen, deren Höhe ziemlich genau der Selbstbeteiligung im Versicherungsfall entspricht. Meistens sind das etwa 400 - 1.500 Euro. Falls du das Boot heil zurückgibst und auch sonst nichts (teures) passiert ist, bekommst du die Kaution am Ende der Reise zurückgezahlt.

Nun gibt es aber windige Gesellen unter den Vercharterern, die sich offensichtlich denken »Mensch, so viel Kohle. Warum soll ich die zurückgeben, wenn ich sie doch gleich selbst behalten kann? Ich meine: Jetzt, wo ich sie doch schon mal habe...«

Die direkte Abzocke deiner Kaution

Bei Antritt der Reise checkst du auf dem Schiff ein. Dabei geht ein Mitarbeiter des Vercharterers gemeinsam mit dir über und durch das Boot und ihr notiert zusammen, welche bereits vorhandenen Schäden ihr findet. Am Ende der Reise checkst du auf die gleiche Weise wieder aus:

Findet der Mitarbeiter beim Auschecken (also beim "Zurückgeben des Bootes") nun eine Schramme, einen Kratzer, eine Beule, ein Loch oder eine andere Beschädigung, die nicht in der Eincheck-Liste notiert wurde, hast du ganz offensichtlich den Schaden verursacht und musst mit deiner Kaution geradestehen. Da Schäden an Booten aber ruck-zuck in die Hunderte Euronen gehen können, bist du ebenso ruck-zuck deine Kaution los.

Also behält der Vercharterer einen Teil oder die ganze Kaution ein und verrechnet seine Kosten damit. Und diese Kosten sind für uns nur extrem schwer zu kontrollieren, wenn wir nicht bei der Reparatur daneben stehen und mitrechnen können. Woher sollst du wissen, ob die Reparatur des Schadens nun tatsächlich 1 Stunde oder doch 4 Stunden Zeit benötigt hat?

Sollte etwas übrig bleiben, bekommst du irgendwann den Rest ausgezahlt. Und "irgendwann" meint wirklich irgendwann. Es kann durchaus viele Monate dauern ... immer vorausgesetzt, du bekommst überhaupt etwas zurückgezahlt.

Verfügst du über den Sachverstand, den Unterschied zwischen "normalen Gebrauchsspuren" und "Schaden, der mit deiner Kaution - und, falls notwendig, mit der Versicherung - zu beheben ist" wirklich sicher zu erkennen?

Der gesamte Trick beruht darauf, deinen "fehlenden Sachverstand" gegen dich (und eventuell auch gegen die Versicherung) zu benutzen.

Der Versicherungsbetrug

Üblicherweise ist es eine gute Idee, eine Kautionsversicherung abzuschließen. Das bedeutet, dass die Versicherung gegen ein Entgelt von ca. 70-90 Euro deine Kaution versichert; du also nur dieses Entgelt bezahlst und den Rest deiner Kaution zurück erhältst.

Da kann man schon mal großzügiger werden, nicht wahr?! Denn egal, ob du wirklich einen Schaden verursacht hast oder nicht: die 70-90 Euro bist du in jedem Fall los. Was macht es da schon, wenn der Vercharterer bei der Rücknahme der Yacht einen Schaden aufschreibt, der garantiert nicht auf dein Konto ging? Zahlt doch die Versicherung! Selbst schuld, wenn sie deine Kaution versichern!

Auch hier setzt der Vercharterer in aller Regel auf deine Unwissenheit - mindestens aber auf deine Großzügigkeit, denn es geht ja nicht um dein Geld:

Bei der Rücknahme der Yacht entdeckt er eine "neue Schramme". Nun malt er ein Horrorszenario, bei dem er mit vier- oder sogar fünfstelligen Kosten um sich wirft, dass dir ganz Angst und Bange wird und du schon überlegst, ob du dein Haus verkaufen oder die Kinder arbeiten schicken musst ... bevor er dich wieder beruhigt und sagt:

»Hey, Gott sei Dank hast du eine Kautionsversicherung abgeschlossen. Unterschreibe hier unten rechts, dann regeln wir das schon für dich. Du bekommst deine Kaution auf jeden Fall zurück.«

Und NATÜRLICH bist du nun beruhigt und denkst »Hey, Gott sei Dank habe ich eine Kautionsversicherung abgeschlossen. Da muss ich mir keine Sorgen um meine Kaution machen.«; bevor du großzügig und ohne weiteres Nachdenken die Schadenbestätigung unterschreibst.

Vorsicht! Bei Versicherungsbetrug steckt dein Hals ebenfalls in der Schlinge, denn es ist deine Unterschrift, die ihn erst möglich gemacht hat.

Der gesamte Trick beruht darauf, deinen "fehlenden Sachverstand" gegen die Versicherung (und eventuell auch gegen dich) zu benutzen. Aber Unwissenheit schützt dich nicht vor Strafe! Auch, wenn du vielleicht wirklich glaubtest, dass du den Schaden verursacht hast: Sollte die Versicherung herausbekommen, dass du es nicht gewesen bist, ist es trotzdem Versicherungsbetrug und kann mit hohen Geldstrafen belegt werden. (Guckst du § 265 StGB)

Reale Fälle

Im Folgenden zeigen wir dir reale Abzock-Fälle, wie sie bereits vorgekommen sind. Sie sollen dich nicht "abschrecken"; sondern dir stattdessen helfen, die Augen an den richtigen Stellen zu haben und aus den Fehlern anderer Leute zu lernen, um selbst Kosten und Stress zu ersparen...

Die mehrfache Schadensanzeige

Übernahme genau dokumentieren! Nimm dir die Zeit, ALLES - wirklich ALLES - zu fotografieren, wenn du ein Boot übernimmst. Kontrolliere ALLES. Schreibe ALLES auf das Übergabe-Protokoll.

Ein junges Pärchen hatte auf der Mecklenburger Seenplatte ein Hausboot gechartert. Und wie es so oft ist, waren sie bei der Übernahme des Bootes nicht ganz aufmerksam ... vielleicht aber auch doch, und sie haben das Boot während ihres Urlaubs-Törns wirklich irgendwo gegengesetzt (und es vielleicht nicht einmal bemerkt).

Wie auch immer: Am Ende bemerkte der Mitarbeiter des Verleihers einen Schaden, der ihnen natürlich von der Kaution abgezogen wurde. Genauer gesagt: Die gesamte Kaution wurde einbehalten, denn die Reparatur des Schadens fraß angeblich die ganze Kaution auf. (Ja, das ist keineswegs unnormal. Schäden am Boot können leicht 1.000 oder mehr Euro kosten.)

Natürlich waren sie sauer, immerhin ging es um ein paar Hundert Euro. Und das war Geld, das sie fest als »Bekommen wir sowieso wieder zurück.« eingeplant hatten; und das nun futsch war. Also machten sie ein paar Fotos vom (bisher) teuersten Kratzer ihrer Wasser-Urlaubs-Karriere und fuhren traurig heim...

Kautionsversicherung Es gibt sogenannte "Kautions-Versicherungen". Hier zahlt man ein paar Euro (die endgültig weg sind), bekommt dafür aber die Garantie, dass man in jedem Fall - also auch im Falle eines Schadens - seine Kaution zurückbekommt.

Wie es das Schicksal so wollte, hatten Freunde von ihnen zwei Wochen später genau das gleiche Boot gechartert. Und auch am Ende ihres Urlaubs-Törns bemerkte der Vercharterer einen Schaden am Boot; und man behielt auch ihre Kaution ein, um den Schaden zu reparieren.

Zu Hause angekommen heulten beide Paare sich beieinander aus: Jeder hatte mal eben schlappe 600 Euro Kaution vergeigt. Eine ordentliche Stange Geld war da den Bach runtergegangen. Ohne Zweifel Grund genug, den Schmerz gründlich mit Alkohol zu spülen und sich gegenseitig das Leid zu klagen. ... Und natürlich tauschte man auch die Fotos von den jeweiligen Schäden untereinander aus.

Sehr zum Verdruss des Vercharterers übrigens, der sicherlich mit vielem gerechnet hatte, aber nicht damit, dass sich die Leute auch noch untereinander kennen und miteinander austauschen.

Und so kam ans Licht, was normalerweise im Dunklen bleibt: Beide hatten für genau den gleichen Schaden ihre Kaution aufgeben müssen. Sie wurden für den gleichen Schaden zwei Mal zur Kasse gebeten.

Ob und wie oft es davor, dazwischen und danach noch geschah, ist nicht nachprüfbar. Wer allerdings glaubt, der Vercharterer würde nur sporadisch mal versuchen, den gleichen Schaden mehrfach geltend zu machen, der dürfte wohl "Idealist" genannt werden, hm?!

Eine grob geschätzte Schadens-Kalkulation

Übernahme genau dokumentieren! Nimm dir die Zeit, ALLES - wirklich ALLES - zu fotografieren, wenn du ein Boot übernimmst. Kontrolliere ALLES. Schreibe ALLES auf das Übergabe-Protokoll.

Ein Charter-Gast hatte Pech: Wie auch immer es geschah - ein böser Kratzer zierte nach dem Urlaubs-Törn sein Boot.

Die Kaution war fast vollständig futsch, weil die Reparatur des Schadens vom Vercharterer mit "ca. 500 Euro" veranschlagt wurde. Und eine Kautionsversicherung, die ihn unter dem Strich nur einige Euro (die aber endgültig) gekostet hätte, abzuschließen, war der Charter-Gast schlicht zu geizig. Tatsächlich hatte er schon einige Jahre lang ziemlich regelmäßig Hausboote ausgeliehen und schadenfrei zurückgegeben.

Nun war es aber geschehen, und die Dinge nahmen ihren Lauf. Diskutieren half auch nichts. Im Übernahmeprotokoll hatte er bestätigt, dass dieser Schaden vorher noch nicht da war. Also war er dafür verantwortlich. Und so blieb ihm nur, das Geld abzuschreiben und nach Hause zu fahren.

In Richtung Heimat aufgebrochen, bemerkte er allerdings nach einigen Kilometern, dass er seine Brille liegen gelassen hatte. Also flugs umgedreht und wieder zum Hafen gefahren, um sie zu holen.

Doch was er dort sah, verschlug ihm schlicht den Atem:

Der Mitarbeiter, der den Schaden auf "ca. 500 Euro" geschätzt hatte, saß mit Spachtelmasse und Lack im Wert von ca. 15 Euro am Boot und war innerhalb von 30 Minuten fast fertig damit, den eigentlich doch so teuren Schaden zu beheben.

Sollte der Bursche also nicht einen Stundenlohn von mindestens 800 Euro haben, darf man wohl mit Fug und Recht annehmen, dass dem Charter-Gast der Kragen geplatzt sein dürfte...

Was kann ich dagegen tun?

Nutze Kautionsversicherungen!

Kautionsversicherungen versichern deine Kaution. Du bekommst also deine Kaution - natürlich abzüglich der Kosten der Versicherung - in jedem Fall wieder. Auch im Falle eines Schadens.

Der Preis ist allerdings, dass die 20, 60 oder 80 Euro (je nach Kautionshöhe und Versicherung) am Ende in jedem Fall weg ist. Doch besser 80 Euro als 600 Euro, nicht wahr?!

Man weiß nie, was passiert oder nicht. Manchen trifft es erst im 2., 5. oder 10. Urlaub. Ein Stein unter Wasser. Oder einmal nicht ganz glimpflich am Steg angelegt. ... Und schon ist die Kaution weg.

Letztlich ist es zwar ein Abwägen: »Wenn wir 5 oder 6 Mal ohne Schrammen auskommen, können wir auch einmal die Kaution aufgeben; das hebt sich dann mit der jahrelangen Kautionsversicherung auf.«; aber zumindest in den ersten 2, 3 Jahren ist es eine gute Wahl, auch die Kaution zu versichern.

Nutze Checklisten!

Niemand verlangt von dir, dass du "alles im Kopf" hast. Es gibt Checklisten, die dir helfen, die wichtigsten Dinge im Auge zu behalten. Nutze sie.

Fotografiere das Boot!

Du hast garantiert einen Fotoapparat eingepackt. Und ganz bestimmt kann auch dein Handy tolle Fotos machen.

Nutze das nicht nur für "Frau vor dem Boot", "Ich vor dem Boot", "Noch mal ich vor dem Boot", "Ich auf dem Boot", "Ich am Ruder", ... und so weiter, sondern fotografiere das gesamte Boot!

Fotografiere alles, wirklich ALLES. Innen und außen.

Sollte es am Ende des Urlaubs bei der Rückgabe Fragen oder Unsicherheiten geben, kannst du die Fotos hervorkramen und belegen, dass es schon vor der Übergabe da war...

Erkundige dich über den Vercharterer!

Das Internet hat unendlich viele Informationen. Du wirst auch welche zu deinem Vercharterer finden, wenn du danach suchst.

Aber Vorsicht! Die Menschen neigen dazu, sich bevorzugt negativ kritisch zu äußern. Wenn du also zu deinem Vercharterer "nur negative Meldungen" findest, heißt das nicht zwingend, dass er ein komplettes Arschloch ist.

Aber benutze deinen gesunden Menschenverstand! Die Tatsache, dass du "nur negative Kritiken" findest, bedeutet nicht zwingend, dass der Vercharterer ein mieser Abzocker ist. Lies die Kritiken genau! Prüfe gründlich, ob die Kritik auch deinem Gefühl nach berechtigt ist. Mancher beschwert sich auch nur über andere, weil er sich nicht über sich selbst aufregen möchte...

Nutze bevorzugt beliebte Vercharterer!

Im Grunde ist es wie mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Jeder weiß, dass es sie gibt; und dass man ihnen zustimmt. Aber gelesen hat sie niemand. Jeder verlässt sich darauf, dass "die anderen" sie schon gelesen haben werden. Und wenn sie nix finden, werden die AGB schon nicht so schlimm sein.

Das trifft auch auf Vercharterer zu: Je größer sie sind, desto weniger können sie sich "die ganz große Abzocke" leisten. Und das nicht zuletzt deshalb, weil es dazu viel zu viele Menschen braucht: Einen, der den Schaden "erfindet", einen der den Schaden bearbeitet, einen der den Betrag bucht; ... und sie alle müssten unter einer Decke stecken.

Werde Stammkunde bei kleinen Vercharterern!

Du kannst auch das Gegenteil vom vorherigen Tipp tun: Binde dich langjährig an einen kleinen Vercharterer!

Schon beim zweiten, spätestens aber beim dritten Charter-Urlaub kennt man sich persönlich. Das schafft Vertrauen zueinander. Und das reduziert die Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden, noch weitaus erheblicher, als bei großen Vercharterern.

Oft haben kleine Vercharterer mit 1, 2 oder 3 Booten einen kleinen aber feinen "Stammkunden-Kreis". Nicht ohne Grund!

Wie bei allem, so solltest du auch hier vor allen Dingen deinen gesunden Menschenverstand benutzen.

Vercharterer verdienen ihr Geld
mit dem Verleihen von Booten.

Und nicht jeder Mensch fällt in die Kategorie "stock-ehrlicher Kaufmann". Es gibt auch welche darunter, die gezielt darauf abstellen, "mehr Geld zu verdienen"; koste es andere Menschen, was es wolle...

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