Tricky: Das "All-Inclusive-Paket" Charter - das geliehene Boot

» Wie jetzt?!«, denkst du, » Mit einem All-Inclusive-Paket kann man mich auch abzocken? Wie soll das denn gehen?«

In der Tat gehört dieser Trick zu den richtig tückischen, denn auf den ersten Blick scheint es - wieder mal - ein Entgegenkommen des Vercharterers zu sein: »Zahle 300, 400 oder 500 Euro pauschal und du hast keine weiteren Ausgaben. Nicht einmal die Kaution musst du mehr bezahlen. Auch keinen Treibstoff. Einfach zahlen - losfahren - wiederkommen - nach Hause fahren.«

Doch bevor du dieses Paket annimmst, solltest du mit sehr, sehr spitzem Bleistift rechnen, denn eines ist sicher:

Unternehmen können dir nichts schenken. Sie sind darauf angewiesen, Gewinne zu machen, sonst sind sie bald nicht mehr am Markt. Sobald sie dir also etwas zu schenken scheinen, kannst du absolut sicher sein, dass du - oder jemand anderes - teuer dafür bezahlt...

Ins "All-Inclusive-Paket" reingeschaut ...

All-Inclusive-Paket für nur 500 Euro*

  • Versicherungskosten
  • Kaution
  • Alle Treibstoff-Kosten
  • PKW-Stellplatz
  • Grauwasser-Entsorgung (Fäkalien, Abwasser)
  • Wassertank-Auffüllung
  • Schmierstoffe (Öle, Fette)
  • Gas-Verbrauch (für den Herd in der Bord-Küche)
  • Verbrauchsmaterial (Filtertüten, Küchenrollen, etc.)
  • Wisch- und Geschirrtücher
  • Spezial-Toilettenpapier, das du zwingend für das See-Klo brauchst

*) Die 500 Euro beziehen sich auf den Durchschnittspreis für "All-Inclusive-Pakete", die wir bei verschiedenen Vercharterern im Internet gefunden haben.

Wie so viele andere basiert auch dieser Trick darauf, deine Unwissenheit auszunutzen und dir "großzügiges Sparen" vorzugaukeln. Dabei wird dir ein "billiges Gesamt-Paket" verkauft, bei dem man einfach zuschlagen MUSS...

So ein "All-Inclusive-Paket" enthält oft die in der nebenstehenden Liste enthaltenen Bestandteile. Das ist schon mal ein gewaltiger Batzen, nicht wahr?! Praktisch alles, was man sich vorstellen oder wünschen kann, ist darin enthalten. Fehlt nur noch der persönliche Butler an Bord...

»Und - Wir müssen verrückt sein! - das war noch nicht alles: Dazu gibt es einen Gutschein über 5% oder einen Gegenwert von 100 Euro für die nächste Charter bei uns!«

Wer da nicht zuschlägt, muss total bescheuert sein, nicht wahr?!

... andererseits: Vielleicht kann er auch einfach nur Rechnen? Wer weiß das schon so genau?! ... Wollen wir das tolle Angebot mal auseinandernehmen? Lass uns mal schauen, was wir bezahlen müssten, wenn wir alles einzeln kaufen würden!

0 Euro - Die Versicherungskosten

JEDES gewerblich genutzte Boot (und das sind alle vercharterten Hausboote und Flöße) muss zwingend versichert sein. Anderenfalls dürfte der Vercharterer es gar nicht anbieten. Und üblicherweise sind diese Kosten bereits in die Charter-Kosten eingerechnet.

Eine Vollkasko-Versicherung ohne Selbstbeteiligung ist dabei astronomisch teuer, so dass kein vernünftig kalkulierender Anbieter sowas auch nur ansatzweise in Erwägung zieht.

Aber wie funktioniert dann der Trick?

Ganz einfach: Der Anbieter schließt in deinem Namen eine Kautionsversicherung ab. Das kostet ihn je nach Versicherung ca. 70-90 Euro. Wenn er das auch gleich noch massenweise für alle Charter-Gäste machen kann, bekommt er obendrein Rabatte und andere Vergünstigungen bei der Versicherung. Den Rest der Versicherungskosten deckt er über die Charter-Gebühr, die du bekanntlich nicht in Einzelposten aufgeschlüsselt bekommst.

Für die Rechnung nehmen wir den Mittelwert (= 80 Euro). Damit bleiben noch 420 Euro vom "All-Inclusive-Preis" übrig.

Rest-Betrag: 420 Euro

max. 80 Euro - Die Kaution

Dank der Kautionsversicherung kann der Vervharterer nun auch auf die Kaution selbst verzichten. Das bedeutet für ihn höchstens: Im schlimmsten Fall muss er sich nun mit der Versicherung herumschlagen - nicht mehr mit dir und der bereits hinterlegten Kaution.

Falls nix passiert, bekommt er nur die Provision für die Vermittlung des Kautions-Versicherungs-Auftrages an die Versicherung. Falls doch etwas passieren sollte, läuft es wie gehabt (siehe Kautionsabzocke) über die Versicherung.

Rest-Betrag: 420 Euro

ca. 150 Euro - Die Treibstoff-Kosten*

Dir ist das Sternchen (*) aufgefallen? Das steht auch in deinem "All-Inclusive-Paket" an dieser Stelle. Und im Kleingedruckten findest du dann stets den Hinweis:

»Gilt für 20 Betriebsstunden pro Woche.«

Wenn du mehr verbrauchst, musst du halt draufzahlen. Und dann meist mit einem saftigen Zuschlag, der sich so richtig gewaschen hat. Gern auch mit 20 oder 30 Euro pro Betriebsstunde.

Du denkst jetzt: »Scheiß drauf! Ich will heizen, was das Zeug hält. Das lohnt sich schon!«? Dann schaue ins Kleingedruckte, ob "übermäßiger Verbrauch" nicht vielleicht auch separat berechnet wird...

Auf dem Wasser wird im Allgemeinen nicht "reiner Sprit-Verbrauch", sondern "Betriebsstunden des Motors" abgerechnet. Darin sind dann Sprit- und Wartungskosten für den Motor enthalten.

Rest-Betrag: 270 Euro

  • 20 Betriebsstunden pro Woche
  • 5 - 8 Liter Diesel pro Stunde
  • = ca. 150 Euro

Hier wird das Nachrechnen schwieriger. Zum Einen ist es von den aktuellen Sprit-Preisen abhängig; zum Anderen aber auch gravierend von deinem Fahrstil.

Ein Hausboot verbraucht bei normaler Marschfahrt etwa 5 bis 8 Liter Diesel pro Stunde. Das heißt: Ruhige Reise-Geschwindigkeit, wenig Gestank aus dem Auspuff, wenig Lärm und wenig Vibrationen auf dem Schiff.

Natürlich kann man so ein Schiff auch dazu bewegen, 15 oder 20 Liter pro Betriebsstunde zu fressen. Aber dann sitzt du im Gestank deiner eigenen Abgase (Und ja, Schiffsdiesel können RICHTIG stinken.) und das Dröhnen und Vibrieren an Bord wird schier unerträglich.

ca. 25 Euro - Der PKW-Stellplatz

Viele Anbieter haben eigene Parkplätze, auf denen du das Auto während der Woche stehen lassen kannst. Hier schwanken die Kosten zwar enorm von "0 Euro bis zu 10 Euro pro Tag", aber mir ist kein Anbieter bekannt, der mehr als 25 Euro pro Woche für einen Stellplatz haben will.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil diese Zusatzkosten sehr auffällig sind und sauer aufstoßen. Immerhin ist der nächste Vercharterer nie weit weg; und das Weglaufen zur Konkurrenz ist leicht und einfach...

Rest-Betrag: 245 Euro

max. 10 Euro - Die Schmierstoffe

Ganz ehrlich? Das wäre kein Benefit, sondern ein Punkt, an dem ich mir ernsthafte Sorgen über den Zustand des Motors machen würde.

Ich hätte wirklich Schiss in der Büxe, wenn man mir ein Motorboot überlassen würde, zu dem man mir erklärt: »Hey, denk dran, du musst täglich Öl nachfüllen, der Motor verliert halt ein bisschen.«

Kurz gesagt: Das bisschen, was der Motor in der einen Woche an Schmierstoffen verbraucht, dürfte sehr, sehr überschaubar sein und ist mit 10 Euro mehr als abgegolten!

Hier bezahlst du doppelt! Auch ohne "All-Inclusive-Paket" wirst du den Motor nutzen wollen. Also muss der Vercharterer diese Kosten bereits in den Charter-Preis einkalkulieren.

Tatsächlich sind diese Kosten bereits im "normalen Charter-Preis" enthalten. Und das selbst dann, wenn du irgendwo unterwegs feststellen solltest, dass da ein paar Liter Öl fehlen: Rufe deinen Vercharterer an, sage ihm, dass du Öl nachkaufen musst, lasse dir eine Rechnung geben, und lasse dir am Abreisetag die Rechnung erstatten...

Mehr noch: Man wird sich bei dir für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, denn es ist eine vertragliche Voraussetzung, dass der Motor deines Bootes auch vernünftig gewartet und gepflegt wird...

Rest-Betrag: 235 Euro

max. 10 Euro - Der Wassertank

Auf dem Boot hast du einen eigenen Süßwasser-Tank, aus dem du deine tägliche Wasserversorgung sicherstellst. Kaffee kochen, Mittagessen machen, Abwaschen, Duschen, ... und irgendwann ist der Tank leer. Dann muss nachgefüllt werden.

Nun sind diese Tanks aber ziemlich groß. 500, 600 oder sogar 1.000 Liter sind keineswegs selten. Es soll ja auch ein paar Tage reichen; selbst wenn man spart.

Nehmen wir also großzügig 1.000 Liter an, die du nachfüllen musst. Und schlagen wir bei den Stadtwerken nach, was so ein Kubikmeter Wasser kostet. Dann sind wir bei knapp 2 Euro für 1.000 Liter Wasser.

Und auch hier gilt: Bei seriösen Vercharterern bekommst du keine "separate Wasser-Rechnung". Die 2 - 3 Euro sind längst durch Rundungen auf den Charter-Preis aufgeschlagen worden...

Rest-Betrag: 225 Euro

ca. 15 Euro - Der Gas-Verbrauch

Auch hier geht man davon aus, dass du die Preise nicht wirklich kennst: Eine Füllung kostet ca. 10 - 20 Euro. Bei Abnahme größerer Mengen, wie es bei Vercharterern mit haufenweise Gas-Herden auf den Booten üblich ist, bekommt der Anbieter typischerweise Rabatte, so dass 15 Euro pro Flasche eine faire Kalkulation sind.

Wie schon beim vielen anderen Dingen, so gilt auch hier: Seriöse Vercharterer machen keine "separate Gas-Rechnung" auf. Die paar Euro sind längst im pauschalen Charter-Preis enthalten...

Meiner eigenen Erfahrung nach kann ich außerdem sagen: Solange ich schon Hausboote chartere, ist es mir noch nie gelungen, eine ganze Gasflasche zu leeren. Und ich will wirklich alle Stunde einen Kaffee und am liebsten morgens, mittags und abends warm essen. Aber hey, wir sind auch nur zu Zweit. Wer mit der ganzen Familie reist, schafft es sicherlich schon mal...

Rest-Betrag: 210 Euro

ca. 5 Euro - Das Verbrauchs-Material (Filtertüten, etc.)

Du ahnst es sicherlich schon: Auch das wird dir bei seriösen Anbietern nicht separat in Rechnung gestellt. Und - wenn überhaupt - dann ist es mit einem Preis von, sagen wir, 10 Euro, fair abgegolten.

Rest-Betrag: 200 Euro

ca. 5 Euro - Wisch- & Geschirrtücher

Yep, du denkst bereits das Richtige: Wisch- & Geschirrtücher sind bei seriösen Anbietern genauso Bestandteil der Bord-Ausstattung, wie Geschirr und Besteck für die Maximal-Belegung des jeweiligen Bootes.

Insofern rechnen wir hier einfach faire 5 Euro pro Woche für Wäsche, Abnutzung und Ersatz.

Rest-Betrag: 195 Euro

ca. 5 Euro - Spezielles Klopapier

Die Toilette an Bord leidet gern an Verstopfung, wenn zu viel Klopapier genutzt wird. Das liegt daran, dass die Stoffwechselendprodukte samt Papier geschreddert werden, bevor sie im Fäkalientank landen. Und wenn der Papierklumpen zu dick ist, schafft's der Schredder nicht mehr.

Deshalb gibt es an Bord spezielles Klopapier, das besonders wasserlöslich ist und Verstopfungen reduziert.

Und wieder denkst du bereits das Richtige: Auch dieses Klopapier gehört (in angemessenen Mengen) zur "normalen Ausstattung". Denn auch wenn du nicht "all inclusive" buchst, musst du schließlich irgendwann mal "ein Ei legen" gehen dürfen...

Insofern rechnen wir hier einfach faire 5 Euro pro Woche für Wäsche, Abnutzung und Ersatz.

Rest-Betrag: 190 Euro

Minus-Geschäft für dich - Gutscheine, etc.

Du ahnst es mittlerweile: Das bieten sie alle an. Ganz egal, ob du "all-inclusive" buchst oder nicht.

Denn der Wettbewerb ist groß. Es gibt viele Vercharterer und noch mehr Boote, die man mieten kann. Und jeder Vercharterer freut sich ein Loch in den Bauch, wenn du ihm treu bleibst und wiederkommst.

Mehr noch: Viele Vercharterer bieten dir bei der 2., 3. oder 5. Wiederkehr ganz besondere Konditionen, die rein rechnerisch weit über 5% hinaus gehen:

  • Größere Bootsklasse zum gleichen Preis
  • Beiboot, Kajak oder Gaststätten-Gutschein
  • 10, 15 oder 20 Prozent Nachlass bei früher (oder sehr später) Buchung
  • Skipper-Training über 4, 6 oder 8 Stunden
  • ... hier sind die Anbieter sehr kreativ - und dein Verhandlungsgeschick kann da noch viel mehr herausholen

Kurz gesagt: Das ist eine billige Werbemasche, die zudem noch doppelt negativ auf deine Tasche fällt: Du kannst nicht - wie bei normaler Charter ohne "all-inclusive" - nachverhandeln und bessere Konditionen herausschlagen. Und obendrein sind 5% absurd, weil du bei "normaler Wiederkehr" selbst ohne Verhandlung schon lockere 10% bekommen würdest.

Rest-Betrag: 190 Euro

Selbst bei gutmütiger Rechnung bleiben von den 500 Euro noch 190 Euro in den Taschen des "All-Inclusive-Anbieters". Das sind immerhin fast 40 Prozent Überteuerung des "All-Inclusive-Pakets".

Rest-Betrag: 190 Euro

(M)Eine Gegenrechnung - Ein Selbstversuch

Kostenstelle Mein Anbieter Ein "All-Inclusive"-Anbieter
Charter-Kosten 2.000 € 1.999 €
All-In-Paket — € 530 €
Kautionsversicherung 90 € — €
Treibstoff tanken 116 € — €
Sonstige Kosten — € — €
SUMME 2.206 € 2.529 €
DIFFERENZ +323 €

Ich hätte also 323 Euro mehr bezahlt, wenn ich das "All-Inclusive"-Paket gewählt hätte. Das wäre in Summe also etwa 15 Prozent teurer.

Wie bereits mehrfach gesagt: Im Jahr 2012 habe ich einen völlig uneigennützigen Selbstversuch gewagt, um euch mit aktuellen Informationen versorgen zu können.

Eine Woche lang bin ich mit einem 11-Meter-Hausboot auf der Mecklenburger Seenplatte vom Plauer See bis zum Müritzarm herumgegurkt. Und das waren MEINE TATSÄCHLICHEN Kosten im Vergleich zu einem zeitgleich herausgesuchten "All-Inclusive"-Angebot.

Nicht alles, was gut aussieht, schmeckt auch gut! Prüfe sorgfältig, ob sich ein scheinbares super-duper-tolles Angebot WIRKLICH für dich rechnet.

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Kleine Wasserstr. 2a
18055 Rostock
Andrea Zander
(0381) 383 91 15

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